Montag, 9. August 2010

Kommentar von Steiner am 8.8.2010

Guten Abend an alle aus Hessen.
Ich würde gerne zu den Volksentscheiden im allgemeinen und dem im HH
durchgeführten im besonderen ein paar Zeilen schreiben.
Ich bin eigentlich ein Freund solcher Aktionen, da sie nach meiner Meinung
einen hohen demokratischen Stellenwert einnehmen (sollten)
Dummerweise funktioniert so etwas aber nicht in Deutschland. Und das hat m.E. nach mindestens folgende Gründe:
Jahrzehntelange Bevormundung durch die Politik incl. den neuerdings immer schamloseren Lügen und der Unsitte, die Politik nurmehr als Sprungbrett in die wohldotierten Pöstchen der Wirtschaft zu verstehen, haben das Vertrauen in
das gesamte System verschwinden lassen.
Eine gleichzeitige repressive Lohnpolitik und die gezielte Schwächung der Arbeitnehmer unterdrücken aus Angst vor dem Abstieg jegliches Aufbegehren.
Unsere Vergangenheit, in der sich die sozialen und politischen Extreme mehrfach abwechselten, nimmt uns heute das Vertrauen in unsere soziale und politische Kompetenz. Und dann kommt noch etwas sehr profanes hinzu: Die Deutschen sind zu dumm und zu faul. Und genau das glaube ich in HH erkannt zu haben.
In den Berichterstattungen im Vorfeld sowie im Nachgang dieses Volksentscheids wurden Interviews mit verschiedenen Personen aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen gezeigt und siehe: die "bürgerlichen" waren bestens informiert und sehr offen in ihren Thesen, die im Tenor darauf abzielten, das gute Schüler durch schlechte gehemmt werden.
Die "Unterschicht" wußte teilweise nicht mal im Ansatz, um was es bei dem entscheid ging. Teilweise war es ihnen auch egal u.s.w. u.s.f.
Da frage ich mich doch: Wenn sich von denen keiner informiert und auch keiner seinen faulen Arsch vom Sessel bekommt, was soll dann an dem Ergebnis auszusetzen sein? Demokratie lebt davon, das sich alle verantwortungsbewusst mit den verschiedenen Thematiken beschäftigen (oder es zumindest probieren), um sich ein einigermaßen kompetentes Urteil zu einem Sachverhalt bilden zu können.
Und wenn man nicht willens ist, das bischen Hirn wenigstens einmal im Jahr, und auch noch zu einer wichtigen Frage den Nachwuchs betreffend, zum brummen zu bringen und dann noch lieber dieses unbeschreibliche Verblödungsfernsehen aufsaugt, anstatt mal ein paar Schritte an die Urne zu gehen, ja dann gibts nur eins: Selber schuld.
Bin sehr gespannt auf Feedback.Was ich aber keinesfalls gelten lasse ist, das von irgendwelchen Gruppierungen was gemauschelt wurde und jetzt so komische Prozentwerte rausgekommen sind. Jede der beiden betroffenen "Parteien" hatte das Recht und die Gelegenheit, Befürworter für ihre Position zu finden und zu gewinnen. Aber leider ist Bildung schon länger nicht mehr so en vogue; ohne Bildung aber keine Willensbildung.
Euch allen einen stressfreien Montag
ST.

1 Kommentar:

  1. Dieser Kommentat von Steiner kann so nicht stehen bleiben! "Die Deutschen" sind weder "zu dumm" noch "zu faul", höchstens zu ungebildet. Und genau darum ging es ja in Hamburg: Endlich ein Schulssystem zu schaffen, dass unterprivilegierten Schichten zumindest annähernd Chancengleichhiet zu bieten. Angelehnt war der Gesetzesentwurf an skandinavische Vorbilder, insbesondere finnische. Hier ist es leider einem Stufienrat gelungen, durch eloquentes Auftreten die Allparteienkoalition für das Gesetz auszustechen. Schamlos wurde sich hier einer Sprache bedient, die von der breiten Masse nicht verstanden wurde. Deshalb war auch die Wahlbeteiligung so niedrig, weil die meisten gar nicht begriffen haben, was da zur Abstimmung anstand. Es ist - mit Verlaub gesagt - einfach schäbig, einer dank eines impotenten Schulsystems nicht gerade sehr gebildeten Bervölkerungsgruppe , die eben die Mehrheit bildet, vorzuwerfen, dass sie nicht gebildet ist und desegen nicht zur Wahl ging. Und der Herr Studienrat als Initiator des Bürgerbegehrens hat diese Situation schamlos für sich und sene Kinder wohl wissentlich ausgenutzt.
    Da ich nicht in Bayern wohne, möchte ich die dortigen Gründe, die zu einem ähnlich demokratiefeindlichen Ergebnis geführt haben, nicht kommentieren und überlasse das denjenigen, die näher dran sind. Es ist ja genug darüber geschrieben worden, dass man sich eine Meinung bilen kann, die eine Meinung ist und keine billige Polemik wie die hier von Steiner geäußerten Ansichten.
    Herbert Vater

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